Gesundheitstagung Schweiz (GTS) - Berichte

2018

Am 28. März 2019 fand in Zürich die Gesundheitstagung Schweiz - GTS 2019 statt. Gemeinsam von der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) und dem ICV organisiert, erlebten mehr als 75 Gäste eine professionelle Tagung mit erstklassigen Referenten.

Durch die Tagung führten gemeinsam Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch, seit 2009 Leiter des Center for Accounting & Controlling, seit Januar 2019 Leiter des Departements Business Analytics & Technology sowie Mitglied der Schulleitung der HWZ, und René Heule, Leiter ICV Branchenarbeitskreises Gesundheitswesen Schweiz, Geschäftsleiter der wpo consulting ag.

Im ersten GTS-2019-Vortrag gab Philippe Scheuzger, CFO des Kantonsspitals Baden, eingangs einen Überblick über die aktuelle Situation des Schweizer Gesundheitssystems mit 8,4 Mio. Versicherten, 1,1 Mio. stationären Fällen, über 280 Spitälern und Kliniken, 1.800 Apotheken, 391.000 Beschäftigten, 34.000 Ärzten sowie 48 Krankenkassen. Er skizzierte eine „Diagnose der Wundstellen“ und ließ dieser einen Therapieplan folgen, den er bildhaft mit „Entschlacken, Entwirren und alte Zöpfe abschneiden!“ überschrieben hatte. Als wesentliche Trends im Gesundheitswesen nannte Scheuzger «ambulant vor stationär», Technisierung und Digitalisierung sowie Ökonomisierung. Entsprechend sei das Projekt „AGNES“ entwickelt worden, in dem sich sein Krankenhaus vom Spital zum Gesundheits-Campus entwickeln soll.

„Big Data – das Gesundheitswesen als Showcase“ war der anschließende Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Riedl von der Berner FH überschrieben. Er machte den Zuhörenden deutlich, dass hinter dem „schillernden Begriff Big Data“ eigentlich optimale Voraussetzungen für ein besseres Gesundheitswesen stecken. Das alleinige Vorhandensein vieler Daten sei noch längst kein Asset. Für deren erfolgreiche Nutzung sei zunächst ein breites „Systemverständnis zwingend notwendig“. Es bestehe ein Bedarf vor allem an Skills und an interdisziplinärer Zusammenarbeit. „Weil so viele vorhandene Daten einfach noch gar nicht genutzt werden, sterben noch immer zu viele Menschen”, meinte Prof. Riedl in seinem spannenden Big-Data-Vortrag.

Den beiden Vorträgen im Plenum schlossen sich zwei parallele Breakout Sessions an. In seiner Session gewährte David Bosshard, CEO der Clienia-Gruppe, einen „Blick unter das Nervenkostüm der Psychiatrie“. Einem höchst interessanten und gut verständlichen Einstieg in diesen Bereich der Medizin ließ er fundierte Ausführungen über die spezifischen Herausforderungen in der Psychiatrie folgen. Deutlich wurde, dass aus den genannten Spezifika auch spezielle Herangehensweisen in der wirtschaftlichen Steuerung folgen.

Die Perspektive der Krankenkassen stellte Sanjay Singh, Leiter Konzernbereich Leistungen & Produkte, Mitglied der Konzernleitung, CSS Versicherungen, in seinem Vortrag „Leistungskostenmanagement und -controlling einer Krankenversicherung“ vor. Beim Thema Kosteneinsparungen ist bei den Krankenkassen die Digitalisierung ein starker Treiber. Vor allem in der Administration liegen große Einsparungspotenziale durch Automatisierung, Verschlankung von Prozessen, gepaart mit Robotics und agilen Methoden.

Daniel Boller, CFO, Mitglied der Geschäftsleitung, Spitex Zürich Limmat AG, unterstrich in seiner Session die These seines Vortragstitels, „Kosten der Spitex als Spielball der Politik“: Zu verhalten sei die Förderung aktueller Entwicklungen wie eHealth oder elektronische Patientendossiers durch die Politik. Fortschritte und damit auch Kostenreduktionen ließen sich schneller erreichen. Für lebhaftes Interesse der Zuhörenden sorgte ein weiterer Vortragspunkt, als Daniel Boller von der begonnenen fundamentalen Transformation des Pflegeunternehmens hin zu selbstorganisierten Teams berichtete. Ein höchst spannendes Thema, mit dem sich auch unser ICV Fachkreis „Future of Work“ befasst.

André Kuster, Bereichsleiter Rechnungswesen/Controlling, Heime Uster, ist Mitglied im ICV-Branchenarbeitskreis Gesundheitswesen CH und natürlich auch persönliches Mitglied im ICV. In seinem Vortrag zum Thema, „Schwankende Einnahmen – Wie ich meine Kosten unter Kontrolle halte am Beispiel des Pflegeheimes“, stellte er aus seiner Arbeitspraxis eine ganze Reihe konkreter, erfolgreich angewendeter Maßnahmen vor. Gerade diese Einblicke in den operativen Alltag schätzten viele GTS-Besuchende sehr hoch ein.

Viele weitere Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch und zum Networking bot die GTS 2019 auch in den Pausen und beim Farewell Apéro. Gratulation dem ganzen GTS-2019-Team zum gelungenen Neustart! Dieser lässt Vorfreude an der GTS 2020 aufkommen, über deren Terminierung wir natürlich rechtzeitig informieren werden.

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