Die Digitalisierung und ihre Folgen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung im Controlling

Ein Interview mit den Vorstandsmitgliedern der CA controller akademie


Die Digitalisierung greift bereits in allen Lebens- und Arbeitsbereichen, auch für das Controlling bedeutet sie Änderungen und Umdenken. Nicht nur die Controller selbst sind davon betroffen, auch die Anbieter von Aus-, Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich. Wir haben uns mit Dorothee Deyhle und Dr. Klaus Eiselmayer, Vorstandsmitglieder der CA controller akademie, darüber unterhalten, wie sie mit den neuen Anforderungen umgehen und wie sie den Wandel in der täglichen Praxis der Akademie erleben.  


Was bedeutet die Digitalisierung für Sie als Verantwortliche der CA Akademie?

Dr. Klaus Eiselmayer: In erster Linie, unsere Kunden zu sensibilisieren und mit passenden Angeboten auf das Thema Digitalisierung vorzubereiten, was für viele bedeutet, auf einen Zug aufspringen zu müssen, der bereits losgefahren ist, weshalb man nicht auf den Gleisen liegen bleiben sollte - wenn Sie mir diesen drastischen Vergleich erlauben. Genau aus dem Grund fließt das Thema Digitalisierung bereits seit geraumer Zeit in unsere Ausbildungsprogramme mit ein.

Dorothee Deyhle: Als Aus- und Weiterbildungsinstitut ist es uns auch ganz wichtig, unseren Teilnehmern Mut zu machen. Wir wollen sie dabei unterstützen, sich mit dem richtigen Know-how gut aufzustellen für die kommenden Herausforderungen. Wir möchten unsere Teilnehmer ermuntern, die digitale Transformation als Chance wahrzunehmen, sich mit neuen Kompetenzen erfolgreich zu verändern. Wir geben Hilfestellung, die neuen Möglichkeiten, die durch die Veränderung entstehen, zu nutzen und in neue spannende Aufgaben hineinzuwachsen. 

Für uns als Unternehmen ist die Digitalisierung natürlich ein wichtiges Thema. Das bedeutet eben auch, dass wir an unserer eigenen Innovationskultur arbeiten und unsere Geschäftsmodelle immer wieder auf den Prüfstand stellen. 

Innerhalb unserer Trainingsformate bieten wir heute unseren Kunden eine Reihe an digitalen Lern-Möglichkeiten an.

Eiselmayer: Unter dem Namen „CA on Air“ führen wir zahlreiche Videotrainings, Live-Webinare oder mit Managementberichten ein begleitetes Online-Training durch. Unser Seminar „Stufe I – Controllers Best Practice“ gibt es auch im Format Blended Learning. Dabei kann man den Lehrstoff von 5 Tagen so absolvieren, dass man das Trainingsmaterial von zwei Tagen auf unserer Lernumgebung online bei freier Zeiteinteilung und ortsungebunden bearbeitet. Selbsttests und Trainersprechstunden unterstützen dabei das Lernen. Im Anschluss folgt ein 3-tägiges Präsenzseminar, in dem die praktische Anwendung der Inhalte vertieft wird und die Aspekte Präsentation, Gruppenleistung und Moderation behandelt und trainiert werden.

Was bedeutet die Digitalisierung für die Inhalte des Controllings? Wie geht man als Anbieter von Aus- und Weiterbildungen damit in der Praxis um?

Eiselmayer: Ihre Frage bewegt viele unserer Teilnehmer, daher haben wir 2016 eine Seminartour („Controlling unterwegs“) zum Thema Digitalisierung gestartet: „Controlling-Excellence im Zeitalter der Digitalisierung“ führte im vergangenen Herbst wiederholt in 14 Städte, um das Thema vor Ort bei verantwortlichen Controllern und Managern zu platzieren.

Deyhle: Die Digitalisierung erfordert allen voran bessere Kenntnisse im Bereich IT, Internet, Analytics, Programmierung, Statistik, etc. Kompetenzausbau in diesen Bereichen halten wir für extrem wichtig. Daher wächst unsere Themenwelt „Information Management“ stetig in ihrer Vielfalt. Darin geht es um die Facetten der Digitalisierung: um Datengewinnung, Business Intelligence und Big Data sowie um Datenanalyse, Predictive und Advanced Analytics oder auch um Management Information Design wie z.B. die Gestaltung von Dashboards. Hier haben unsere Teilnehmer die Möglichkeit, eine Ausbildung mit ganz unterschiedlichen Qualifikationsschwerpunkten zum Certified Information Manager CA zu machen.

Um die digitale Transformation erfolgreich zu bewältigen, müssen bestehende Geschäftsmodelle in punkto Zukunftsfähigkeit regelmäßig überprüft und agile Arbeitsmethoden und Innovation gefördert werden. Dazu haben wir u.a. Spezialseminare wie Effectuation, Lean Management oder Agiles Projektmanagement im Programm. Und zu den Themen Geschäftsmodellentwicklung und Innovation wird es 2018 erstmalig eine Fachtagung geben.

Als Anbieter von Aus- und Weiterbildungen sind wir ständig gefordert, unser Angebotsportfolio anzupassen im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen, aber auch im permanenten Austausch mit unseren Kunden zu deren aktuellen und künftigen Bedürfnissen. Um Fach- und Führungskräften relevantes Wissen zu vermitteln und Unternehmen gut zu beraten, müssen wir am „Puls der Zeit“ stehen und die Entwicklung in der Unternehmenssteuerung mit vorantreiben. Das bedeutet aber auch, gut vernetzt zu sein und im kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu stehen mit anderen Organisationen, Universitäten, der International Group of Controlling IGC und besonders mit unserem Partner, dem Internationalen Controller Verein ICV.

Welche neuen Kenntnisse/Fähigkeiten/Fertigkeiten muss ein Controller mitbringen oder erwerben?

Eiselmayer: Controller haben teils sehr unterschiedliche Lebensläufe. Viele haben Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsingenieurwesens studiert. Je nach Inhalt des Studiengangs und der erworbenen Praxiserfahrungen sind Accounting, moderne Controlling Anwendungen, Information Management, Unternehmensführung und/oder soziale Kompetenzen zu erweitern/zu ergänzen. Dafür haben wir bei der CA controller akademie entsprechend fünf eigene Themenwelten eingerichtet.

Einige Controller sind bereits Praktiker, die aus der Produktion, dem Vertrieb, der Forschung und Entwicklung oder der Bankausbildung kommen und sich einer neuen Herausforderung stellen wollen. Hier ist der Bedarf an grundlegenden Controlling-Konzepten und ihrer praktischen Anwendung etwas anders gelagert.

Deyhle: Controlling ist nach wie vor ein Prozess, der die Zusammenarbeit von Menschen erfordert. Neue technische Möglichkeiten und die Automatisierung von Standardaufgaben verschaffen Controllern Freiräume und so die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Wichtig wird sein, diese zu nutzen und die Kompetenzen dahingehend auszubauen. Also ein Business-Partner 4.0 zu werden, der nicht ausschließlich Controller, sondern eben auch Accountant, IT Pro, Analyst, Moderator und Coach, aber auch strategischer Berater, Change Agent und Innovator sein kann.

Gibt es Aus-und Weiterbildungsinhalte, die durch die Digitalisierung überholt sind?

Eiselmayer: Hier würde ich mit einem klaren „Jein“ antworten. In meiner Beratungspraxis treffe ich auf Organisationen, die sich, bezogen auf einen Controlling-Lebenszyklus, im Stadium „ausgereift“ oder aber noch am Anfang befinden. Im Bereich Non-Governmental-Organizations (NGOs), bei Forschungseinrichtungen oder Ausgliederungen aus dem „Staatsbetrieb“ habe ich für einige Organisationen / Unternehmen gearbeitet, die Controlling erst einführen. Dort sind Themen gefragt, die andere bereits als selbstverständlich abgehakt haben.

Im Rahmen der Digitalisierung wird das manuelle Erstellen von Standardberichten entfallen. Einige Unternehmen haben das erfolgreich umgesetzt und nennen bereits einen „Digital Boardroom“ ihr Eigen. In sehr vielen Unternehmen werden Berichte jedoch heute noch (mühsam) mit Excel erstellt.

 Derzeit stellt es sich so dar, dass einige Aus-und Weiterbildungsinhalte an Wichtigkeit verloren haben, was ich eher als Wandel der Zeit verbuche. Die größeren Veränderungen aufgrund der Digitalisierung stehen uns noch bevor.

Gibt es aus Ihrer Sicht einen Zeitpunkt oder ein Ereignis, der/das einen Einschnitt/ein Kick-off für die Digitalisierung im Controlling darstellt? Oder ist die Entwicklung für die Controller eine stetige?

Eiselmayer: Das ist eine spannende Frage. Seit ich bei der CA Akademie als Trainer tätig bin, das sind jetzt 22 Jahre, bearbeiten wir mit Seminarteilnehmern das Thema „Szenario zukünftiger Controller-Arbeit“. Vieles, was dort in all den Jahren „vorhergesagt / gewünscht“ wurde, wird nun Wirklichkeit. Insofern ist die Entwicklung eine stetige, der Wandel wird demnächst aber abrupt ablaufen, da extrem viele Organisationen zeitgleich neue, weit leistungsfähigere Werkzeuge an die Hand bekommen.

Wo stehen Controller/Controlling in zehn Jahren im Vergleich zu heute?

Eiselmayer: In zehn Jahren werden die besprochenen Themen auf breiter Fläche umgesetzt sein. Routinetätigkeiten fallen weg, Berichte kommen automatisiert. Monatsberichte wird es noch geben, der Fokus wird aber auf der Analyse von Echtzeitdaten und Vorhersagen liegen. Ein Baustein dafür ist Industrie 4.0 und die zunehmende Vernetzung aller Marktteilnehmer.

Deyhle: Hier stellt sich für mich auch die generelle Frage: Wo stehen dann Mensch und Maschine? Welche Potenziale, Chancen oder Risiken sind entstanden durch technologische Entwicklungen und durch extrem leistungsstarke und sehr schnell lernfähige Maschinenintelligenzen? In jedem Fall werden sie unsere beruflichen Anforderungen, aber auch uns Menschen sowie unsere Gesellschaft verändert haben. Unsere VUKA-Welt dreht sich rasend schnell und macht Vorhersagen für die Zukunft immer schwerer.

Was geben Sie dem Nachwuchs im Controlling mit auf den Weg?

Eiselmayer: Ich wünsche mir Neugierde und Interesse für neue Geschäftsmodelle, neue Werkzeuge und visionäre Ideen. Uns stehen gewaltige Aufgaben bevor, wenn wir sie annehmen: Umweltverschmutzung, Klimawandel, regenerative Energien, Mobilitätskonzepte, Mega-Cities, Bekämpfung von Hunger und Armut, Zugang zu Bildung für alle Menschen, etc.

Deyhle: Bei allen künftigen Anforderungen und Veränderungen werden Innovationskraft und Kreativität, soziale Kompetenzen, emotionale Intelligenz und Ethik noch wichtiger als bisher. Wir sollten flexibel und offen bleiben und bereit sein, lebenslang Neues zu lernen.

Eiselmayer: Wenn künstliche Intelligenz und Roboter uns künftig Arbeiten abnehmen, warten immer schon die nächsten Herausforderungen darauf, angegangen zu werden...