CCS Controlling Competence Stuttgart - Berichte und Impressionen


2019

Stuttgarter Herbsttagung überzeugt mit vielen Neuerungen

Jung und abwechslungsreich präsentierte sich die CCS Controlling Competence Stuttgart am 21. November 2019. Der frische Mix aus erfahrenen Praktikern und Controlling-Nachwuchs – unter den 110 Teilnehmern waren viele junge Teilnehmer und Studenten - sorgte für eine große Bandbreite etwa bei den zahlreichen Fragerunden. Auch das Themenspektrum war breit angelegt: Von Quantencomputern, HR und Robotik über Talent, Future of Work, New Work und Lernwelten im Unternehmen bis hin zu Transformation und Plastik im Meer war alles vertreten. 

Neu bei der CCS 2019 war die Integration von Zuschauerfragen und kurzen Umfragen über die Online-Plattform Slido. Claudia Maron, Head of Governance bei der DATEV eG und ICV-Delegierte Deutschland Süd, hatte neben ihren Moderationsaufgaben dafür die Federführung vor Ort übernommen. Die digitale Übermittlung und Einspielung der Teilnehmerfragen sorgte für eine neue Interaktivität zwischen Referenten und Zuschauern, die durchweg gut ankam, auch beim Veranstalter selbst: „Es wurde viel mehr gefragt als sonst, das war toll“, so das Fazit der ICV-Geschäftsführerin Carmen Zillmer, Mit-Organisatorin und -Moderatorin der Stuttgarter Herbsttagung. 

Rasant war dann auch gleich der Auftakt der Veranstaltung mit dem Vortrag von Prof. Dr. Martin Welsch, der in einem schier atemlosen Referat KI, Robotik, Neuromorphe und Quantencomputer ins Visier nahm, immer begleitet vom roten Fazit-Faden „Wer glaubt, es verstanden zu haben, hat es immer noch nicht kapiert“. Der Chief Technology Advisor emeritus (IBM R&D) und der Friedrich-Schiller Universität Jena warf dabei auch einen Blick auf die unterschiedlichen Rollen, in denen jeder in vielerlei Hinsicht betroffen ist. Vor allem die Medizin machte Welsch als neues, großes Spielfeld der KI aus – für IT-Unternehmen auch deshalb interessant, weil sie darüber einfachen Zugriff auf wertvolle persönliche Daten erhalten können.  

Ein weiteres Novum: Nach dem Eröffnungsvortrag durften die Besucher sich entscheiden, an welchen beiden der nachfolgenden vier Themenangebote sie teilnehmen wollen. Allen Angeboten war gemeinsam, dass ein Impulsvortrag sie eröffnete und eine anschließende Mischung aus Podiumsdiskussion und Fragerunde sie abschloss. Aus folgenden Themen und Impuls-Referenten konnte dabei gewählt werden: 

  • Künstliche Intelligenz im Human Resources Management - Wie uns KI hilft, die Arbeitswelt smarter & fairer zu machen (Michael Plentinger, CEO Greple GmbH). Auf dem Podium: Michael Plentinger, Christian Bramkamp (ICV Fachkreis-Koordinator), Michael Schubert (CA Controller Akademie), Annegreth Glöckner (vormals PWC), Claudia Maron (Datev, ICV Delegierte Deutschland Süd)
  • Talent kann man nicht lernen – New Work braucht Wissen und Können (Dorothee Deyhle, Vorstandsmitglied CA Akadamie AG). Auf dem Podium: Dorothee Deyhle, Dr. Rüdiger Eichin (SAP und ICV-Fachkreisleiter "Future of Work"), Helmut Willmann (Sick AG), Markus Frenk (Herrenknecht AG), Udo Kraus (Hansgrohe SE, Leiter ICV Arbeitskreis Südwest), Prof. Dr. Martin Plag (Duale Hochschule Baden-Württemberg)
  • Wie sieht die zukünftige Lernwelt im Unternehmen aus? Der Hansgrohe Campus (Sylke Morell, Head of Personnel Development, Hansgrohe SE). Auf dem Podium: Sylke Morell, Prof.Dr. Vera Döring (Duale Hochschule Baden-Württemberg), Gabriele Heller (Heller Consulting, Leiterin ICV Arbeitskreis Franken), Claudia Maron (Datev, ICV Delegierte Deutschland Süd)
  • Future of Work & Controlling (Dr. Rüdiger Eichin, Senior Director, SAP SE). Auf dem Podium: Dr. Rüdiger Eichin, Dorothee Deyhle (CA Controller Akadamie), Udo Kraus (Hansgrohe SE, Leiter ICV Arbeitskreis Südwest), Prof. Dr. Martin Plag (Duale Hochschule Baden-Württemberg)

Die folgende Mittagspause – die Controlling Competence Stuttgart hatte 2019 mit Vorverlegung der Startzeit von bisher 12 auf erstmals 10 Uhr eine weitere Neuerung parat – wurde von allen gern und rege genutzt: zum Fachsimpeln, Diskutieren, Kennenlernen, Wiedertreffen, Netzwerken, aber auch, um sich neue Eindrücke und Informationen an den Ausstellerständen abzuholen. Vor allem „Cimon“, der KI-Assistent fürs All von IBM, sorgte für großes Interesse. 

Den unumkehrbaren Trend, dass Digitalisierung die Arbeitswelt maßgeblich verändert, fokussierte anschließend Dr. Michael Prochaska von der Andreas Stihl AG & Co.KG, und zeigte dies unter anderem an konkreten Beispielen im Unternehmen des Herstellers von motorbetriebenen Geräten für die Landschafts- und Gartenpflege sowie für die Bauwirtschaft auf. Dabei legte Prochaska von Anfang an Wert darauf, dass diese Entwicklung nicht neu sei: „Digitalisierung gibt es schon seit Jahrzehnten – es geht jetzt halt immer weiter damit“. Auch die Stihl Gruppe habe inzwischen nicht nur eine Digitalisierungsstrategie erarbeitet, sondern die Verantwortung für deren Einhaltung und Umsetzung ausdrücklich in der Organisation verankert. Als klaren Vorteil der Digitalisierung insbesondere für Controller sieht Prochaska, dass standardisierbare Arbeiten entfallen und damit der Weg frei wird, auf dem „der Controller tatsächlich zum Business Partner für den Vorstand wird“

Der Abschlussvortrag der CCS 2019 war der Umwelt gewidmet. Dr. Rüdiger Stöhr, Mikrobiologe und Lehrer für Biotechnologie/Biologie aus Kiel berichtete über die Organisation „One Earth One Ocean“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Müll aus Gewässern zu entfernen, und das nicht nur in den Weltmeeren, sondern auch in Seen, Flüssen, Küstengebieten und an Flussmündungen. Dabei sammelt die maritime Müllabfuhr die unerwünschten und für Tiere lebensgefährlichen Abfälle nicht nur ein, sondern kümmert sich auch um das Recycling des Sammelguts vor Ort, in verschiedenen Ländern dieser Welt. Der rein spendenfinanzierte Verein wird auch von namhaften Unternehmen unterstützt. „Wir können auch mit „schlechtem Geld“ Gutes tun und freuen uns über jede Unterstützung“, sagte Stöhr dazu augenzwinkernd. 

Die nächste CCCS findet am Donnerstag, 26. November 2020, statt. 

2018

Geballte Fachinformation und ganz viel Nachwuchs

Bei der 16. CCS Controlling Competence Stuttgart am 22. November 2018 dominierten Fachinformationen – und der Controlling-Nachwuchs. Letzteres lag nicht nur an der Verleihung des ICV Controlling-Nachwuchspreises (lesen Sie dazu mehr auf der "Preisträger"-Seite). Auch die Zahl der Besucher zeugte von großem Interesse der angehenden Controller: Nahezu ein Drittel des Publikums der CCS hatte einen Studentenausweis in der Tasche. 

Und das sicher aus gutem Grund, wie die Referenten an jenem Donnerstagnachmittag im IBM-Forum Ehningen immer wieder vor Augen führten. Die Digitalisierung sorgt für einen massiven Wandel, auch im Controlling, so der Tenor. Deshalb gilt es nicht erst seit heute, sich mit den Anforderungen des Berufes auseinanderzusetzen und sich durch lebenslanges Lernen und stete Fort- und Weiterbildung auf dem Laufenden zu halten. „Wir müssen Weiterbildungsweltmeister werden“, fordert deshalb Dieter Spath, der die Vortragsreihe des Tages eröffnet. Er befasst sich mit der „digitalen Transformation in die Arbeit 4.0“und befasst sich dabei mit der Herausforderung Produktivität, hybrider Qualifikation, mit Controlling und Prozesswissen und KI in der Sachbearbeitung. Der Universitäts-Professor Dr. Ing. Dr. Ing. E.h. Dr. h. c. und Präsident an der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften München überzeugt mit breitem, auch praxisnahem Wissen, das er eindrücklich dokumentiert und belegt, heruntergebrochen bis in die Facetten „Was treibt die Menschen um“ und „Was können die Märkte leisten“. So beschäftigt ihn unter anderem auch der Produktivitätsdruck aufgrund des Fachkräftemangels, dem er mit höherer Effizienz, Rationalisierungen, der Entwicklung margenstarker Produkte und Leistungen einer hohen Standortqualität und eben Digitalisierung begegnen möchte, vor allem aber mit exzellenter Bildung: „Es muss dafür gesorgt sein, dass hier die bestausgebildeten Menschen sind“, so sein Appell. Die digitale Transformation müsse dabei als Wegbereiter und nicht als Hindernis verstanden werden. 

Mit „Risikokennzahlen für die Unternehmenssteuerung“ befasste sich Marco Wolfrum, Partner der FutureValueGroup AG und Vorstandsmitglied der Risk Management Association. Hier ging es mitten rein in den Alltag von Entscheidern – auch im Controlling. Schließlich seien auch die Controller gefordert, wenn es um Risikomanagement in all seinen Facetten und Auswirkungen gehe. Gleich zu Beginn forderte Wolfrum klar: „Kümmere dich um die wesentlichen Dinge!“. In der Praxis bedeute dies, dass bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig erkannt werden müssten. Die Schwierigkeit dabei sei jedoch, dass diese in der Regel die Folge der Summierung unterschiedlicher Risiken sei. Umso wichtiger ist es für Wolfrum deshalb, den Überblick zu behalten, auch aufgrund gesetzlich vorgegebener Sorgfaltspflicht und Verantwortlichkeiten insbesondere für Vorstandsmitglieder. Diese müssten sich für Ihre Entscheidungen, insbesondere unter Unsicherheiten, auf eine qualifizierte Risikomessung verlassen können. Dabei gelte es, folgende Frage zu beantworten: „Was ist mein Ziel, was ist mein Plan – und was kann mich davon abbringen“, und zwar im Positiven wie im Negativen. Beispielhaft nannte Wolfrum dafür Währungsschwankungen, die sich in jede Richtung ausschlagen können. Bei der Risikobewertung müssten deshalb immer beide Optionen in Betracht gezogen werden. Wie weit dabei Risikotoleranz, -tragfähigkeit und -appetit dabei reichen können, demonstrierte Wolfrum anhand der genauen Definition einer “bestandsgefährdenden Entwicklung”: „Festzulegen ist dabei immer und für jedes Unternehmen: Wie viel Risiko können wir uns erlauben?”

Mitten aus der Controlling-Praxis berichtete auch Björn Reitzenstein, Senior Manager Controlling bei Powertrain Solutions der Robert Bosch GmbH Stuttgart. Sein Vortrag stand unter der Überschrift „Change in Controlling using prescriptive Analytics“. Bei der CCS blickt er in die Black Box von Big Data und vergleich Analysen der Zahlen früher und heute. Nach wie vor gebe es mannigfaltige Gründe für Widerstände, die Ergebnisse zu akzeptieren. “Das schaut nicht aus wie mein geliebtes Excel oder mein Powerpoint!”, “Wo ist denn meine Stichtagszahl?”, “Ich habe keine Ahnung von SAP!”, “Ich glaube den Zahlen nicht, denn ich kann sie nicht nachrechnen wie in Excel!”, so einige Standardsätze, die insbesondere das Management nach wie vor äußert, wenn Controller Zahlen und Statistiken in neuem Gewand liefern. Wichtig ist es laut Reitzenstein deshalb, nicht nur auf datengetriebene Analyse zu setzen, sondern diese mit erfahrungsbasierter Analyse zu kombinieren. “Nehmen Sie die Mitarbeiter mit, profitieren Sie von ihren Erfahrungen”, so Reitzenstein.  Nutzt man den persönlichen Wissens- und Erfahrungsschatz der Mitarbeiter, so werde man auch mit einer höheren Akzeptanz der Ergebnisse belohnt. Für die Mitarbeiter im Controlling erging von seiner Seite eine klare Aufforderung: „Move on – learn while you are on the go! Don’t waste time!“, so das eindeutige Statement des Inhabers des ICV Controlling Excellence Awards 2018. 

Von Misstrauen in die Zahlen, insbesondere von Seiten des Managements, wusste auch Claudia Maronzu berichten. Sie ist zuständig für Governance bei der DATEV eG. Ihren Erfahrungsbericht stellte die ICV-Delegierte für Deutschland Süd unter den Fokus „Digital meets Finance“.So habe die Digitalisierung nicht nur für einen sukzessiven Portfoliowandel bei der DATEV gesorgt, sondern auch für eine Erkenntnis: “Eine Lösung kommt fast immer aus der Richtung, aus der man sie am wenigsten erwartet. Was bedeutet, dass es keinen Sinn hat, in diese Richtung zu gehen, weil sie von dort nicht kommen wird”, zitierte sie den Autor Douglas Adams. Für das Controlling und das Management bedeute das große Herausforderungen im Umgang mit Unternehmenssteuerung in Echtzeit, Projekt- und Change-Management, Big Data/Small Data/Smart Data, Robotik und Automatisierung, Regulatorik und externe Anforderungen, Qualifizierung der Mitarbeiter und Unterstützung globaler Wachstumsstrategien. Ihre Vorhersage für die zukünftige Rolle des Controllers: Neben der reinen Finanzfunktion brauche es einen Daten-Analysten sowie einen Business Partner des Managements. In crossfunktionalen Teams basiere die Entscheidungsfindung zunehmend auf automatisiert erstellten Daten und Zahlen. „Das Management muss darauf vertrauen, dass die Zahlen „aus der Maschine“ richtig sind“, auch wenn das aktuell noch schwerfalle, so Marons Erfahrung. Immer wichtiger für die Entscheidungsfindung sei es, die Wünsche und Anforderungen der Kunden mit einzubeziehen. Ihr Ziel: „Mit neuen Technologien Brücken bauen“. Dabei könnten und müssten Controller in Zukunft vor allem von Risikomanagern lernen, zukunftsorientierte Methoden zu nutzen, dafür zu sorgen, dass sie selbst in die Unternehmenssteuerung integriert sind und „für das Management verständlich sprechen!“.